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Stralsunder Hefte für Geschichte, Kultur & Alltag 2015

Stralsunder Hefte 2015


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Preis € 14,95


Ein gemischtes Blatt - Auf den Spuren der Spielkarten

Als kleine Kulturgeschichte der Spielkarten kann dieses verständlich und unterhaltsam geschriebene Buch der Autorin Birgit Berndt bezeichnet werden. Die Autorin schildert zunächst den Ursprung der Spielkarten und betrachtet Formen, Farben und Symbole sowie „Berufe rund um die Spielkarte“.



Dann geht sie ausführlich auf die Geschichte der Stralsunder Spielkartenproduktion ein. Eine Darstellung interessanter Aspekte rund um Kartenspieler, zur Entwicklung der Rückseiten, zur Verpackung und zu den Spielkarten in anderen Ländern schließt sich an. Am Ende des Bandes geht Birgit Berndt auf die neue Stralsunder „Spielkartenfabrik“ ein, die der Förderverein Jugendkunst seit 2009 im Speicher auf dem Katharinenberg betreibt.

Das populär-wissenschaftliche Buch überzeugt auch durch seine Gestaltung. Sie ist dem Grafiker Jörg Matuschat in hervorragender Weise gelungen. Schon beim Durchblättern ist der Band eine Augenweide. Fotos aus der Vergangenheit und Gegenwart und Abbildungen von Spielkarten aller Epochen und Couleur werden sicher viele Leser veranlassen, das Buch öfter in die Hand zu nehmen. Der Lokal-Historiker ist natürlich vom Hauptteil gefesselt.

Stralsund war einst die Spielkartenstadt Deutschlands. Die Geschichte der Spielkartenproduktion begann schon 1765. Damals erhielt der Graveur Caspar Kern die alleinige Konzession für die Herstellung von Spielkarten. 1872 schlossen sich die drei Stralsunder Spielkartenproduzenten zusammen und gründeten die Vereinigten Stralsunder Spielkartenfabriken AG. Zunächst verblieb die Produktion in den einzelnen Gebäuden. Um 1880 erfolgte die Konzentration auf Gebäude am Knieperwall. Ein neues Druckhaus entstand 1911/12 in der Heilgeiststraße 2/3, an der Fassade sind heute noch die Farben des deutschen Blattes zu sehen.

1931 endete die Erfolgsgeschichte der Stralsunder Fabrik abrupt. Die Stadtverwaltung hatte sich gegen die Errichtung eines neuen Fabrikgebäudes am Kütertor entschieden. Voller Verärgerung teilte die Direktion mit, dass sie ihre Zelte in Stralsund abbrechen und mit Mann und Maus gen Altenburg ziehen werde.


Auszug aus dem Buch:

"Die ersten Nachrichten über Spielkarten in Deutschland enthielten ebenfalls fast ausnahmslos Verbote, vermutlich deshalb, weil das Spiel mit den Karten von Anfang an sehr beliebt war. In Nürnberg und Ulm wurde das Kartenspielen 1380 verboten, in Straßburg 1394, in Augsburg wiederholt zwischen 1397 und 1404. Im Jahre 1462 sollen in Ulm die Druckstöcke der Kartenmacher dem Münsterbau geopfert und verbrannt worden sein, ebenso in Nürnberg nach einem Gottesdienst.

Ein radikaler Gegner des Kartenspiels war der italienische Franziskanermönch Johannes Capistranus (1386-1456). Erst nach einem tiefgreifenden persönlichen Erlebnis trat er der Ordensgemeinschaft der Franziskaner bei und wurde Wanderprediger. Um 1451 soll er sogar in Pommern gepredigt haben. Capistranus war ein glänzender Rhetoriker. Seine Predigten berührten die Menschen seiner Zeit. Wo er auftauchte und redete, mussten Bürger und Adlige als Zeichen der Buße Spielkarten, Bücher und sonstige "Luxusgegenstände" auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Gespielt wurde trotzdem "was das Zeug hielt". Weder flammende Reden von Spielkartengegnern, noch Verbote und Anfeindungen konnten die Spielkarten vertreiben. Es gelang weder Landesherrschern noch dem Klerus, das "Hasardspiel" zu stoppen. Der prickelnde Reiz des Glücksspiels war einfach stärker."


Autor: Birgit Berndt

ISBN 9783941444638

113 Seiten

erschienen 2012

DIN A5, Paperback


Preis € 14,95