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Preis € 19,80


Von der Arschkerbe bis Zipollenhagen

Stralsunder Straßen und ihre Geschichte
Arschkerbe? Zipollenhagen? Viele Straßennamen geben nicht auf den ersten Blick preis, warum sie ausgerechnet so heißen. Welche Geschichte(n) sich hinter den Stralsunder Straßenbezeichnungen verbergen, deckt dieses unterhaltsame und teils amüsante Buch auf.



Im Mittelalter entstanden die Straßennamen aus dem Volk heraus, da wurden sie nicht nach berühmten Persönlichkeiten benannt wie heutzutage, sondern nach Personen, die in der Gegend das größte Haus hatten. So kam unter anderem die Ossenreyerstraße zu ihrem Namen. Später spielten auch Handwerkerberufe (Böttcherstraße), charakteristische Eigenschaften (Langenstraße) oder örtliche Gegebenheiten (Marienstraße) eine Rolle. Und manchmal gebe es gar keine Erklärung, wie bei Prignitz.

Der Autor Neumerkel bedauert, dass die einstige Vielfalt der Straßennamen und auch ein Stück Originalität verloren gingen. Aber irgendwann hätten es zum Beispiel die Bewohner der Arschkerbe – heute Jacobichorstraße zwischen Papen- und Frankenstraße satt gehabt, diese Adresse anzugeben. 1624 wurde der Abschnitt in Karrenstraße umbenannt. Was gab es nicht für tolle Straßennamen damals, die sich dank des gutes Registers im Buch leicht zuordnen lassen: Auf dem Hüx, Breite Zwergstraße, Kleiner Plauderberg, Siebmacherstraße und sogar Am roten Meer. Für den großen Schnitt sorgten die Forderungen der Post. So mussten 1869 zahlreiche Straßennamen aufgegeben werden, damit sich die Zusteller besser zurechtfinden. Andreas Neumerkel würde es am liebsten sehen, wenn auf heutigen Schildern auf die Namen von einst verwiesen würde.


Auszug aus dem Buch:

"Zipollenhagen war Heimstätte der Ärmsten der Stadt

Der Straßenname Zipollenhagen geht wahrscheinlich auf eine Familie Zipolle zurück, die in dieser Gegend einige Grundstücke besaß. Jedenfalls wird sie in den Jahren zwischen 1318 und 1341 mehrfach als Eigentümer von Grundstücken, die in der Nähe der Marienkirche lagen, genannt. Andererseits kann man Zipolle oder Sipolle mit Zwiebeln übersetzen. Vielleicht wurden hier Zwiebel gelagert und deshalb erhielt die kurze Gasse zwischen Marienchorstraße und der Straße Frankenwall diesen Namen. Früher standen in dieser Straße nur kleine, ziemlich hässliche Buden, in denen die Ärmsten der Armen eine notdürftige Unterkunft fanden. Wenn ein Bürger im Jahre 1706 die Straße betrat und in Richtung Frankenwall ging, sah er auf der rechten Seite eine Anzahl winziger Hütten, die alle der Marienkirche gehörten. Jede Unterkunft bestand nur aus einer kleinen Stube und einer Diele, in der sich ein offener Herd befand. Die Buden waren für 5 Taler jährlich an arme Handwerker, Tagelöhner oder Soldatenwitwen vermietet. 1706 wurden alle Buden genau beschrieben und, bei der letzten angekommen, stellte man abschließend fest: "Dieses kleine Haus sowohl wie alle anderen Wohnungen auf dieser Seite gehören alle zur S. Marienkirche, sind nicht weiter als für solches Volk, wie jetzt darin wohnt, am besten dienlich". Ordentlich gepflastert wurde die Straße im Jahre 1866. Damals berichtete die Polizei, dass die Rinnsteine der Gasse "üble Ausdünstungen erzeugen" und inzwischen die Cholera ausgebrochen sei. Deshalb bewilligte die Bürgerschaft am 20. Juli 1866 300 Taler für eine ordentliche Pflasterung der Straße."


Autoren: Andreas Neumerkel, Jörg Matuschat

ISBN: 978-3-941444-01-0
180 Seiten
DIN A5, Paperback mit Schutzumschlag


Preis € 19,80